Internationaler Sozialisten-Kongreß zu Stuttgart 1907: Die Kolonialfrage
인물에두아르트 베른슈타인, 카를 카우츠키, 아우구스트 베벨, 율리안 마르흘레프스키, 램지 맥도널드, 페르디난트 라살레, 카를 마르크스 용어제2인터내셔널, 수정주의, 독일 사회민주당 (SPD), 개량주의 사건제2인터내셔널의 붕괴 학습사회주의의 분기 · 11장 사회주의자에게도 식민 정책이 있을 수 있을까?
Die Resolutionen
Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten, und zwar soll zunächst die Kolonialfrage behandelt werden. Dazu liegen folgende Resolutionen vor:
Resolution der Kommissionsmehrheit
Die Resolution der Kommissionsmehrheit lautet:
„Der Kongreß stellt fest, daß der Nutzen oder die Notwendigkeit der Kolonien im allgemeinen – besonders aber für die Arbeiterklasse – stark übertrieben wird. Er verwirft aber nicht prinzipiell und für alle Zeiten jede Kolonialpolitik, die unter sozialistischem Regime zivilisatorisch wird wirken können.
Er bestätigt von neuem die Resolutionen von Paris (1900) und Amsterdam (1904) über die Kolonialfrage und verwirft nochmals die jetzige Kolonisationsmethode, die, ihrem Wesen nach kapitalistisch, keinen anderen Zweck hat, als fremde Völker zu erobern und fremde Völker zu unterwerfen, um sie schonungslos zum Nutzen einer verschwindenden Minderheit auszubeuten, während gleichzeitig im eigenen Lande die Lasten der Proletarier steigen.
Als Feind jeder Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und als Verteidiger aller Unterdrückten ohne Unterschied der Rasse, verurteilt der Kongreß diese Politik des Raubes und der Eroberung, die nur die schamlose Anwendung des Rechts des Stärkeren ist und das Recht der besiegten Völker mit Füßen tritt.
Die Kolonialpolitik vermehrt die Gefahr kriegerischer Verwickelungen zwischen den kolonisierenden Staaten und steigert ihre Belastung durch Heer und Flotte.
Finanziell betrachtet sollen die Ausgaben für die Kolonien, ebenso solche, die der Imperialismus verschuldet, als auch solche, die im Interesse der ökonomischen Entwickelung der Kolonien gemacht werden, von denen getragen werden, die allein von der Ausplünderung fremder Länder Nutzen ziehen und deren Reichtümer aus ihnen stammen.
Der Kongreß erklärt schließlich, daß die sozialistischen Abgeordneten die Pflicht haben, in allen Parlamenten unversöhnlich diese Methode der schonungslosen Ausbeutung und Knechtschaft zu bekämpfen, die in allen bestehenden Kolonien herrscht.
Zu diesem Zwecke haben sie für Reformen einzutreten, um das Los der Eingeborenen zu verbessern, haben sie jede Verletzung der Rechte der Eingeborenen, ihre Ausbeutung und ihre Versklavung zu verhindern, und haben sie mit allen zu Gebote stehenden Mitteln an ihrer Erziehung zur Unabhängigkeit zu arbeiten.
Zu diesem Zwecke sollen die Abgeordneten der sozialistischen Parteien ihren Regierungen vorschlagen, einen internationalen Vertrag zu schließen, um ein Kolonialrecht zu schaffen, das die Rechte der Eingeborenen schützt und von den vertragschließenden Staaten gegenseitig garantiert wird.“
Dazu liegt von der sozialdemokratischen Partei Hollands ein Amendement vor, den Schlußpassus der Resolution ausfallen zu lassen von „Zu diesem Zweck“ bis inklusive „gegenseitig garantiert wird“.
Antrag der Kommissionsminderheit
Von der Minderheit der Kommission liegt folgender, von den Genossen Ledebour, Wurm, de la Porte, Bracke und Karski unterzeichneter Antrag vor:
1. Absatz 1 zu streichen.
2. Als Absatz 1 einzufügen:
„Der Kongreß ist der Ansicht, daß die kapitalistische Kolonialpolitik ihrem innersten Wesen nach zur Knechtung, Zwangsarbeit oder Ausrottung der eingeborenen Bevölkerung der Kolonialgebiete führen muß.
Die zivilisatorische Mission, auf die sich die kapitalistische Gesellschaft beruft, dient ihr nur als Deckmantel für die Eroberungs- und Ausbeutungsgelüste. Erst die sozialistische Gesellschaft wird allen Völkern die Möglichkeit bieten, sich zur vollen Kultur zu entfalten.
Die kapitalistische Kolonialpolitik, statt die Kollektivkräfte zu steigern, zerstört durch Versklavung und Verelendung der Eingeborenen wie durch mörderische verwüstende Kriege den natürlichen Reichtum der Länder, in die sie ihre Methoden verpflanzt. Sie verlangsamt oder verhindert dadurch selbst die Entwickelung des Handels und des Absatzes der Industrieprodukte der zivilisierten Staaten.
Der Kongreß verurteilt die barbarischen Methoden kapitalistischer Kolonisation und verlangt im Interesse der Entfaltung der Produktivkräfte eine Politik, die die friedliche kulturelle Entwickelung gewährleistet und die Bodenschätze der Erde in den Dienst der Höherentwickelung der gesamten Menschheit stellt.“
3. Den letzten Absatz zu streichen.
[…]
Die Debatte im Plenum
Bericht van Kols (21. August, Vormittag)
Berichterstatter van Kol: Ich werde mich streng an die Aufgaben eines Berichterstatters halten, denn wir sind hier nicht hergekommen, um schöne Reden zu hören und uns an kräftig-prächtigen Deklamationen zu erfreuen, sondern um Beschlüsse zu fassen, die für die Taktik der internationalen Sozialdemokratie bestimmend sein sollen. Ich werde daher kein Wort verlieren über Punkte, über die wir alle einig sind, über die Verurteilung der Eingeborenenmißhandlungen und über die unerbittliche Bekämpfung des ganzen kolonialen Kapitalismus überhaupt. Ich werde nur über die Streitpunkte sprechen, die in der Kommission zu so lebhaften Auseinandersetzungen geführt haben und die niedergelegt sind in den beiden Ihnen vorliegenden Resolutionen der Majorität und der Minorität. In der Kommission haben sich zwei Tendenzen gegenübergestanden, eine negative und eine positive, die eine theoretisch, die andere praktisch und aktiv. Aktive Politik, eine Politik der Aktion zu betreiben ist unsere Pflicht. Vor 1870, als wir noch eine kleine Gruppe waren, als wir noch an die Katastrophentheorie glaubten, da hielten wir es für ausreichend, gegen den Kapitalismus lediglich zu protestieren, unseren Anhängern ihre schrecklichen Leiden vor Augen zu halten und ihnen im scharfen Gegensatz dazu das Paradies der Zukunft vor Augen zu führen. Jetzt haben wir die Pflicht erkannt, gegen den Kapitalismus auch zu handeln. Auch in der Kolonialpolitik müssen wir ein Reformprogramm haben. Die große Mehrheit der Kommission hat eine Resolution angenommen, die von einem rein negativen Standpunkt absieht und eine sozialistische Kolonialpolitik fordert. Aus der Resolution der Minorität spricht eine dumpfe Verzweiflung. Sie ist nicht nur unbestimmt in ihren Ausdrücken, sondern steht auch in schärfstem Widerspruch mit den Tatsachen und der Wahrheit. Ich verstehe nicht, wie ein denkender und theoretisch gebildeter Sozialdemokrat die Resolution unterzeichnen konnte. Ledebour wird doch auch überzeugt davon sein, daß der Kapitalismus in Europa eine Notwendigkeit ist, eine notwendige und unvermeidliche Entwickelungsstufe. Sollte das gleiche nicht auch für den Kapitalismus in den Kolonien zutreffend sein? Ledebour erklärt die kolonialen Greuel für einen integrierenden Bestandteil der kapitalistischen Kolonialpolitik und fordert zum Protest gegen die koloniale Barbarei auf. Wenn wir diesen internationalen Kongreß ernst nehmen, so müssen wir mehr tun als Proteste erheben. Das haben wir in der kräftigsten Weise schon auf den vorhergehenden internationalen Kongressen und auf den nationalen Parteitagen getan. Gewiß, die kolonialen Greuel sind schrecklich, aber es ist nicht wahr, daß wir unfähig sind, sie zu unterdrücken und die Kolonialpolitik zu verbessern. Wir Holländer sind eines der ältesten Kolonialvölker. Aber wir haben es erreicht, daß man jetzt in den holländischen Kolonien nicht mehr alltäglich mordet, martert, brennt und plündert.
Ledebours Zukunftspläne sind reichlich utopistisch. Er weiß doch sicher nicht, daß eine zukünftige Kolonialpolitik nach menschlichen Grundsätzen immer ganz friedlich sein wird. Ich würde es sehr bedauern, wenn eine so große Nation wie die deutsche sich im Vertrauen auf so utopische Pläne in den Schmollwinkel stellen und für die Gegenwart auf die bloße Negation beschränken würde. Die Resolution der Minorität leugnet weiter die Möglichkeit, durch die kapitalistische Kolonialpolitik die Produktivkräfte der Kolonien zu entwickeln. Das verstehe ich von einem denkenden Menschen überhaupt nicht. Man denke doch nur einen Augenblick an die Kolonisation der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Ohne die Kolonisation Amerikas würden dort heute doch die Eingeborenen in den dürftigsten kulturellen Verhältnissen leben. Will Ledebour der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung etwa die unentbehrlichen Rohstoffe entziehen, die die Kolonien ihr bieten können? Will er auch nur für die Gegenwart auf die unermeßlichen Reichtümer der Kolonien verzichten? Wollen diejenigen deutschen, französischen und polnischen Delegierten, die die Minderheitsresolution unterzeichnet haben, die Verantwortung dafür übernehmen, das gegenwärtige koloniale System einfach aufzuheben? Solange die Menschheit besteht, hat es Kolonien gegeben, und ich glaube, es wird sie noch recht lange geben, es wird sogar nicht viele Sozialisten geben, welche die Kolonien für die zukünftige Gesellschaftsordnung für unnötig halten. Aber über diese Frage brauchen wir heute nicht zu diskutieren. Nur das frage ich Ledebour, ob er jetzt unter dem kapitalistischen Regime den Mut hätte, die Kolonien aufzugeben.
Vielleicht sagt er uns auch, was er dann mit der Uebervölkerung Europas anfangen will, in welchen Ländern sich die Leute, die auswandern müssen, ihre Stätte suchen sollen, wenn nicht in den Kolonien. Was will Ledebour mit dem wachsenden Ertrag der europäischen Industrie anfangen, wenn er ihm nicht in den Kolonien neue Absatzgebiete schaffen will? Und will er sich als Sozialdemokrat etwa der Pflicht entziehen, ständig an der höheren Bildung und Weiterbildung der zurückgebliebenen Völker zu arbeiten? Allerdings scheint mir in der Mehrheitsresolution der Passus über den Schutz der Eingeborenen und über internationale Verträge wenig glücklich. Diese diplomatischen Verabredungen, auf die wir keinen Einfluß haben, haben stets der Reaktion gedient. Das beweisen die Erfahrungen der letzten Jahre ganz deutlich. Es könnte auch bedenklich sein, mit dem Schutze der Eingeborenen auf eine internationale Regelung zu warten. Die internationale Regelung bietet noch eine weitere Gefahr. Ich bitte Sie daher, den letzten Absatz der Mehrheitsresolution zu streichen. Ich gehe in der Anerkennung der bürgerlichen Kolonialpolitik nicht so weit wie Bebel, der am 1. Dezember des vorigen Jahres im Deutschen Reichstage erklärt hat: „Es ist ein großer Unterschied, wie Kolonialpolitik getrieben wird. Kommen die Vertreter kolonisierender Länder zu fremden Ländern als Befreier und Bildner, um ihnen die Errungenschaften der Zivilisation und Kultur zu bringen, um sie zu kultivierten Menschen zu erziehen, dann sind wir Sozialdemokraten die ersten, die eine solche Kolonialpolitik im weitesten Maße zu unterstützen bereit wären.“ Bebel geht also von der Annahme aus, daß auch im bürgerlichen Staat schon die Kapitalisten eine Kulturmission erfüllen könnten. Wir haben für unsere Resolution eine vorsichtigere, für Ledebour und seine Freunde liebenswürdigere Form gewählt, und gleichwohl hat die Minderheit unsere Resolution abgelehnt. Nun kann man ja eine Resolution ablehnen. Aber man verhindert damit doch nicht, daß Kolonien existieren. Der ganze Erdball ist geteilt unter die kolonialen Mächte. Mit dieser Tatsache muß auch Ledebour rechnen. Die sozialistische Partei hat die Pflicht, auch in der kolonialen Frage zu handeln. Die deutsche Sozialdemokratie hat die Pflicht, die große Macht, die sie hat, auch in der kolonialen Frage zur Geltung zu bringen. Im Jahre 1900 hatte der internationale Kongreß in Paris die Sozialisten aller Länder aufgefordert, die kolonialen Fragen zu studieren, ein Kolonialprogramm zu entwerfen. Ich frage die deutsche Sozialdemokratie: Wo ist Euer Kolonialprogramm? Ihr habt immer nur mit dem Herzen gegen die Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten der Kolonialpolitik protestiert, und ich habe Ledebours warmherzige Rede mit lebhaftester Anteilnahme gelesen. Aber es ist traurig, das auszusprechen: Getan habt Ihr nichts für die Entwickelung der deutschen Kolonien. Geistig ist die deutsche Sozialdemokratie in der Kolonialfrage nicht auf der Höhe gewesen. Wo sind Eure Schriften, Eure Schriftsteller, die über die Kolonialfrage geschrieben hätten? Wer von Euch ist in die Kolonien gegangen, um dort die Verhältnisse zu studieren? Es wäre Eure Pflicht gewesen, nicht nur Opposition zu machen, sondern auch zu handeln. Aber Ihr habt es nicht getan, ebensowenig wie Frankreich. Nur das kleine Holland hat seine Pflicht getan und ein Minimalprogramm für die Kolonien, eine Art sozialistischer Kolonialpolitik entworfen.
Wenn Sie unsere Resolution annehmen, so tun Sie den ersten Schritt auch zur Herstellung eines deutschen Minimalprogramms, zu einer sozialistischen Kolonialpolitik. Ich bedaure besonders im Interesse Deutschlands, daß die Sozialdemokratie dort sich darauf beschränkt hat, die Notwendigkeit und Nützlichkeit von Kolonien zu bestreiten. Sie haben im letzten Wahlkampfe gesehen, wie durch den Gedanken von der Nützlichkeit der Kolonien die Massen hypnotisiert worden sind: die Kleinbürger und selbst die Industriearbeiter. Zu Hunderttausenden sind Dernburgs Broschüren ins Land hinausgeflattert. (Der Uebersetzer sagt: „Des Genossen Dernburg“ – stürmische Heiterkeit –, worauf Ledebour unter erneuter Heiterkeit dazwischen ruft: „So kann es ja noch kommen!“) Ich weiß, daß Dernburgs Zahlen unrichtig sind, und ich weiß, daß weder der deutsche Handel noch seine Industrie vom Besitze der Kolonien abhängt. Aber man kann doch auch nicht sagen, daß die Kolonien für Handel und Industrie in der Welt ganz gleichgültig wären. Ich gebe zu, daß die Industrie Hollands rückständig ist, weil es Kolonien hat. (Hört! hört!) Anstatt in der einheimischen Industrie legen die holländischen Kapitalisten ihr Geld in den Kolonien an. […] Die kapitalistische Kolonialpolitik hat nur die Ausbeutung der Eingeborenenstämme im Auge. Ihr müßten wir eine sozialistische Eingeborenenpolitik entgegenstellen. Die Kapitalisten kennen nur das Recht des Stärkeren. Wir Sozialdemokraten wollen auch das Recht der Eingeborenen zur Geltung bringen. Die beiden Kriege der letzten Zeit sind aus der Kolonialpolitik hervorgegangen. Bei einem Kriege zwischen Japan und Amerika würde es sich um die Herrschaft im Stillen Ozean handeln, und auch ein Krieg zwischen Deutschland und Frankreich könnte nur koloniale Ursachen haben. Daher wäre es die erste Pflicht der deutschen Sozialdemokratie, sich gegen den Imperialismus zu wenden, wie auch die englischen Arbeiter den Imperialismus Chamberlains bekämpft haben. Es ist die Pflicht der Sozialdemokratie Deutschlands, die Kolonialfrage näher zu prüfen und ein Programm für die Kolonialpolitik aufzustellen. Wir müssen die Wege zeichnen, auf denen einerseits die Ausbeutung der Eingeborenen in den Kolonien eingeschränkt und andererseits ihr Kulturstand gehoben werden kann, um sie zu gleichberechtigten Menschen zu machen. Aufgabe des Kongresses ist es, dafür zu sorgen, daß den Millionen unglücklicher Eingeborenen durch praktische Arbeit der Sozialdemokratie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft geöffnet wird. (Beifall bei den Engländern und Holländern.)
Eduard Bernstein (21. August, Nachmittag)
Singer eröffnet die Nachmittagssitzung kurz nach 3 Uhr und eröffnet die Diskussion über die Resolutionen zur Kolonialfrage. […]
Eduard Bernstein: Ich spreche für die Resolution der Mehrheit. Es kann sich für uns nicht darum handeln, die kapitalistische Kolonialpolitik zu verteidigen. Wir alle sind ihre Gegner, und es handelt sich für uns nur darum, wie wir dieser Gegnerschaft Ausdruck geben. Mit der steigenden Macht der Sozialdemokratie in den einzelnen Ländern steigt ihre Verantwortung. Wir dürfen deshalb auch in der Kolonialpolitik nicht einen rein negativen Standpunkt einnehmen, sondern wir müssen eine positiv sozialistische Kolonialpolitik treiben. (Bravo!) Wir müssen von der utopischen Idee abkommen, die dahin geht, die Kolonien kurzweg zu verlassen. Die letzte Konsequenz dieser Anschauung wäre, daß man die Vereinigten Staaten den Indianern zurückgäbe. (Unruhe.) Die Kolonien sind da. Damit muß man sich abfinden. Eine gewisse Vormundschaft der Kulturvölker gegenüber Nichtkulturvölkern ist eine Notwendigkeit, die auch Sozialisten anerkennen sollten. Lassalle und Marx haben das auch erkannt. Marx schreibt im dritten Bande seines „Kapitals“: „Die Erde gehört nicht einem einzigen Volke, sondern der Menschheit, und jedes Volk hat sie zum Besten der Menschheit zu verwalten.“ – Und Lassalle sagt einmal: „Das Recht eines Volkes auf eigene Entwickelung ist ebensowenig ein absolutes Recht, wie es überhaupt eins gibt. Es ist an die Bedingung geknüpft, daß eine Entwickelung da ist. Völker aber, die sich nicht entwickeln, dürfen mit Recht von Völkern, die eine Kulturentwickelung haben, je nachdem unterworfen werden.“ Auch frühere internationale Kongresse haben das anerkannt. Stellen wir uns doch auf den Boden der realen Tatsachen, und dann müssen wir dazu kommen, der kapitalistischen Kolonialpolitik eine sozialistische entgegenzusetzen. Ein großer Teil unseres Wirtschaftswesens baut sich auf der Gewinnung von Produkten aus den Kolonien auf, mit denen die Eingeborenen gar nichts anzufangen wußten. Aus allen diesen Gründen müssen wir die Resolution der Mehrheit annehmen.
An dem letzten Absatz würde ich persönlich nicht festhalten, wenn auch die Aufforderung an die Regierungen, ein internationales Kolonialrecht zu schaffen, nicht bedingt, daß wir uns nachher all dem unterwerfen, was von ihnen beschlossen wird. Wir haben eine ganze Reihe internationaler Verträge, die, so mangelhaft sie sein mögen, doch immerhin einen Fortschritt bedeuten. Insofern ist es ganz gut, daß auch dieser Gedanke in der Resolution Ausdruck gefunden hat. Die belgische Sozialdemokratie hat die Annexion des Kongo nicht deshalb verworfen, weil sie nicht etwa die Verantwortung der belgischen Abgeordneten für das Wohl der Neger anerkannte, sondern im Hinblick auf internationale Komplikationen. Jedenfalls steht fest, daß es besser wäre, wenn der Kongo unter der Herrschaft eines Parlaments stände, in das die Arbeiterklasse ihre Vertreter sendet, als wenn er von einer rein kapitalistischen Privatgesellschaft ausgebeutet wird. Ich bitte Sie also, die Mehrheitsresolution anzunehmen. (Beifall und Zischen.)
Georg Ledebour
Ledebour (mit Beifall empfangen) vertritt die Resolution der Minorität. Die Genossen von Schweden und Norwegen und Genosse Montefiore lassen durch mich erklären, daß sie ebenfalls für diese Resolution eintreten. Van Kol hat uns Deutschen den Vorwurf gemacht, daß wir im Parlament nur genörgelt und verneint und nichts Positives gearbeitet hätten. Als ein Echo dieser Vorwürfe klang es aus den Worten des Parteigenossen Bernstein heraus. In der Tat haben wir aber ganz in dem Sinne, wie es uns van Kol patronisierend empfahl, positiv gearbeitet. Ich verweise auf den Schlußsatz der von uns dem Kongreß vorgelegten Schrift, wo es heißt, daß, da die Sozialdemokratie als Minderheitspartei in Deutschland ihre grundsätzliche Ablehnung der kapitalistischen Kolonialpolitik zurzeit noch nicht zur Geltung bringen kann, muß sie versuchen, fortlaufend durch kritisierende und kontrollierende Betätigung im Parlament und in der Presse die Uebel möglichst abzuschwächen, die dem Volke in seiner Mehrheit und dem Proletariat insbesondere aus den kolonialen Abenteuern erwachsen. Nicht minder drängt sich uns die Pflicht auf, die unterdrückten und ausgebeuteten Eingeborenen in den Kolonien nach Möglichkeit zu schützen. Von diesem Gesichtspunkte aus haben wir fortgesetzt zu den verschiedenen Fragen der deutschen Kolonialpolitik Stellung genommen. (Hört! hört!) Zum Beweise dafür, daß wir wirklich positiv mitgearbeitet haben, erinnere ich auch daran, daß wir wirksam aufgetreten sind gegen die Beraubung der Eingeborenen an ihrem Lande. Ein Eintreten, das speziell in Togo zu einem gewissen Erfolge führte. Das ist unsere positive Tätigkeit, Genosse van Kol. (Van Kol: Ich habe nach Eurem Programm gefragt!) Wenn ich Tatsache an Tatsache reihe und zeige, was wir für den Schutz der Eingeborenen tun, ist ein spezielles theoretisches Programm wohl von untergeordneter Bedeutung. Ein solches Programm kann auch nicht aus dem Aermel geschüttelt werden. Wir müßten zunächst auf dem Parteitag die Frage diskutieren, gründlicher, als es bisher möglich war, und dann werden wir auch ein Programm haben. Wir wenden uns vor allem gegen den ersten Satz der Mehrheitsresolution, in der die prinzipielle Anerkennung des Nutzens der Kolonien auch für die Arbeiter enthalten ist. Derselbe van Kol, der der Vater dieser Resolution ist, hat festgestellt, daß die Kolonialpolitik Hollands erstens ein Unglück für die Eingeborenen und zweitens ein Unglück für die Arbeiter war. (Hört! hört!) Das mußte van Kol auf Grund seiner persönlichen Erfahrungen in den holländischen Kolonien konstatieren. Trotzdem bringt er eine Resolution ein und wirft uns dann Inkonsequenz vor. Wenn van Kol sich gegen den dritten Absatz unserer Resolution wendet, so verwechselt er wohl Produktivkräfte mit den Produkten. Es ist sehr wohl möglich, daß die Produkte gesteigert würden, während die Produktivkräfte dadurch vermindert werden. Denn zu diesen Produktivkräften gehört die Produktionsfähigkeit des Landes und die Arbeitskräfte der Eingeborenen. Ich komme nun zu Bernstein. Wenn wir seiner Methode der Kolonialpolitik folgen würden, würden wir bald in den kapitalistischen Sumpf kommen. Ich erinnere daran, daß Bernstein mit einigen Fabiern und englischen Sozialisten im Burenkriege auf die Seite der englischen Jingos trat. (Hört! hört!) Er war imperialistischer als selbst die englischen Liberalen. Er trat für die Unterjochung Transvaals durch England ein, wie jener Genosse Blatchford, der sich während des Burenkrieges jeden Abend von seiner Tochter „Rule Britannia“ auf dem Piano vorspielen lassen wollte. (Heiterkeit.) Hat er das während des ganzen Krieges getan, so muß das von unheilvoller Wirkung auf die Familie Blatchford gewesen sein. (Große Heiterkeit.) Es war auch Bernstein, der keinen Anstand genommen hat, als Kiautschou zwangsweise von den Deutschen gepachtet wurde, zu erklären, daß das nicht der schlechteste Streich der deutschen Diplomatie gewesen sei, während wohl heute alle Welt darüber einig ist, daß diese Pachtung eine der törichtesten Taten Deutschlands war. Fürst Bülow, der sich ja jede Dummheit eines Revisionisten gern zunutze macht, hat Bernstein natürlich wegen jenes Ausspruches als großes Licht gefeiert. Im Gegensatz zu Bernstein verwerfe ich absolut die Bevormundung anderer Nationen und halte es für unmöglich, daß der Kongreß eine solche Bevormundung gutheißt. (Lebhafter Beifall.)
Eduard David
Eduard David: Ich bitte Sie, die Resolution der Mehrheit anzunehmen, und stelle fest, daß die Mehrheit der deutschen Delegation hinter ihr steht. Was ist der Sinn des ersten Absatzes dieser Resolution? Er will in keiner Weise eine Rechtfertigung der kapitalistischen kolonialen Methode aussprechen. Diese Unterstellung weise ich entschieden zurück. (Beifall.) Das kann schon deshalb der Sinn dieses ersten Absatzes nicht sein, weil im zweiten Satz erklärt wird, daß wir uns entschieden gegen die jetzige, d. h. kapitalistische koloniale Methode wenden. (Sehr richtig!) Es handelt sich lediglich darum, auszusprechen, daß wir nicht gegen jede Kolonialpolitik als solche im Prinzip sind. Das aber müssen wir aussprechen, wenn nicht unser Eintreten für einzelne koloniale Reformen vollkommen sinnlos sein soll. Ledebour erklärt die Kolonialpolitik überhaupt nicht für reformfähig, und derselbe Genosse Ledebour ist damit einverstanden, daß der Kongreß im zweitletzten Absatz der Resolution erklärt, daß er zum Zwecke der Verbesserung des Loses der Eingeborenen für Reformen in den Kolonien einzutreten habe. (Hört, hört!) Bei dieser Logik hat er kein Recht, anderen Unlogik vorzuwerfen. Wenn die Minorität sagt, an der heutigen Kolonialpolitik ist absolut nichts zu verbessern, sie ist unter allen Umständen ein Schaden für die Eingeborenen und das Land, das sie treibt, so muß diese Minderheit, wenn sie konsequent wäre, dafür eintreten, daß die Kolonien abgeschafft werden. (Sehr richtig!) Ledebour ruft mir zu, das wollten wir auch! (Lebhaftes Hört, hört!) Dann mögen die englischen Kameraden, die für die Resolution Ledebour eintreten, in ihren Parlamenten beantragen, ihre Kolonien abzuschaffen, und ebenso die französischen Genossen. Und wenn nun wirklich die Vertreter dieser Auffassung in der Lage wären, die Kolonien als solche zu beseitigen, so würde das heißen, diese den Eingeborenen zurückgeben. Was würde wohl dann mit den Kolonien geschehen? Nicht Humanität würde in ihnen walten, sondern sie würden in die Barbarei zurückfallen. (Sehr richtig!) Dann hat Genosse Ledebour den Anschein zu erwecken gesucht, als ob die Anschauung, daß ein Volk berechtigt sein kann, eine Kulturmission in den Kolonien zu betreiben, im Munde eines Sozialisten verwerflich wäre. Demgegenüber erinnere ich an die Erklärung Bebels am 1. Dezember 1906, in der er den Standpunkt der Sozialdemokratie zur Kolonialpolitik darlegte. Er sagte: „Daß Kolonialpolitik betrieben wird, ist an und für sich kein Verbrechen. (Hört, hört!) Kolonialpolitik zu treiben, kann unter Umständen eine Kulturtat sein. Es kommt nur darauf an, wie die Kolonialpolitik getrieben wird. (Hört, hört!) Wenn die Vertreter kultivierter Völkerschaften zu den fremden Völkern als Freunde kommen, als Wohltäter, als Erzieher der Menschheit, um ihnen zu helfen, die Schätze ihres Landes im Interesse der Eingeborenen und der ganzen Kulturmenschheit zu heben, dann sind wir damit einverstanden.“ (Hört, hört!) Erziehen heißt doch bevormunden! Ledebour hat erklärt, wir hätten kein Recht, kulturell niedriger stehende Völker zu bevormunden. Denselben Standpunkt wie Bebel in dieser Erklärung hat auch die sozialdemokratische Reichstagsfraktion in ihrem Aufrufe zu den Wahlen, bei denen es sich um die Kolonialpolitik handelte, eingenommen. Und Genosse Ledebour hat den Aufruf der Fraktion mit unterzeichnet. (Hört, hört!) Um so weniger sollte er in so unschöner Weise Bernstein Mangel an logischem Denken vorwerfen. Was die Artikel Bernsteins während des Burenkrieges anlangt, so will ich zum Verständnis nur bemerken, daß diese Artikel gegen die Englandhetze in der deutschen Presse gerichtet waren. Ledebour hätte besser getan, diese persönliche Sache aus der Debatte zu lassen. (Sehr richtig!) Wenn Sie nicht nur Fragen stellen, sondern konsequent sein wollen, müssen Sie den ersten Absatz der Resolution annehmen. Auch die Kolonien müssen durch den Kapitalismus hindurch. Auch dort springt man nicht aus der Wildheit in den Sozialismus. (Sehr gut!) Der Schmerzensweg durch den Kapitalismus wird der Menschheit nirgends geschenkt, und gerade nach der wissenschaftlichen Anschauung von Karl Marx ist dieser Weg eine Voraussetzung für ein sozialistisch geordnetes Wirtschaftswesen. Der Sozialismus ist in keiner Weise nur Kritik. Er hat überall ein positives Ideal, ein Ziel, das nur durch schrittweise Reformen zu erreichen ist. Aus unserem positiven kolonialpolitischen Ideal rechtfertigt sich unsere reformatorische Tätigkeit auf diesem ganzen Gebiete. Das gibt unserer Tätigkeit das große Ueberwältigende, die Gewißheit des Sieges. Daher bitte ich Sie, im Interesse der in den Kolonien lebenden Mitmenschen und im Interesse des Fortschritts unserer Kultur diesem positiven Ideal Ihre Zustimmung zu geben. (Lebhafter Beifall.)
Hierauf wird die Weiterberatung auf Donnerstag vertagt.
Der Antrag der deutschen Delegation (22. August)
[…] Singer: Die schwedische Delegation teilt mit, daß es ein Irrtum Ledebours gewesen sei, wenn er gesagt hat, die schwedische Delegation werde für die Resolution der Minderheit stimmen. Vielmehr hätten die Schweden und ihre Vertreter in der Kommission für die Mehrheitsresolution gestimmt, und die Gesamtdelegation sei mit dieser Haltung einverstanden. Weiter sei ein Antrag der französischen Delegation eingegangen, den ersten Absatz der Mehrheitsresolution zu streichen, ferner ein Antrag der deutschen Delegation, an Stelle des ersten Absatzes der Resolution der Majorität folgende Fassung zu setzen:
„In der Erwägung, daß der Sozialismus die Produktivkräfte des ganzen Erdkreises entfalten und alle Völker zur höchsten Kultur emporführen will, verwirft der Kongreß nicht jede Kolonialpolitik prinzipiell, weil diese unter sozialistischem Regime zivilisatorisch wirken kann.“
Diese Fassung wird vom Berichterstatter van Kol als Vertreter der Majorität akzeptiert.
Karl Kautsky
Karl Kautsky (mit stürmischem Beifall begrüßt): Ich bin bei den Beratungen der deutschen Delegation, in denen diese neue Fassung des ersten Absatzes beschlossen wurde, nicht zugegen gewesen, sondern ich habe sie jetzt erst kennen gelernt. Ich bin leider gezwungen, wie ich gegen die erste Fassung sprechen wollte, so mich auch gegen diesen neuen Antrag zu wenden. (Bravo!) Woher kommt es, daß der Gedanke einer sozialistischen Kolonialpolitik hier in unseren Kreisen soviel Anhänger gefunden hat, wo es mir doch scheint, daß er ein vollständiger logischer Widerspruch ist? Ich schreibe das dem Umstande zu, daß dieser Gedanke so neu ist, er ist plötzlich über Nacht aufgetaucht. Bisher haben wir noch nie etwas von sozialistischer Kolonialpolitik gehört. Ferner schreibe ich es dem Umstand zu, daß er mit anderen Gedanken verknüpft ist, die sehr richtig und notwendig sind, aber nur äußerlich mit der Kolonialpolitik zusammenhängen und tatsächlich gar nichts mit ihr zu tun haben. Darunter sind namentlich zwei Gedanken, die nicht von der Hand zu weisen sind, einmal der Gedanke, daß wir die Kolonien nicht einfach ignorieren können, daß wir in ihnen gewisse Aufgaben zu erfüllen haben und soviel als möglich für sie positiv tätig sein müssen. Das hat aber meines Wissens noch niemand bestritten. Die Aufgaben, die wir in den Kolonien haben, sind grundsätzlich genau dieselben wie die in der Heimat: Der Schutz der Volksmassen gegen die Ausbeutung durch den Kapitalismus und gegen den Druck der Bureaukratie und des Militarismus, also Sozialpolitik und demokratische Politik. Das ist aber etwas ganz anderes als Kolonialpolitik. Kolonialpolitik bedeutet die Eroberung und gewaltsame Festhaltung eines überseeischen Landes. Ich bestreite, daß Demokratie und Sozialpolitik mit Eroberung und Fremdherrschaft etwas zu tun haben. (Bravo!) Weiter hat man gesagt, wir hätten Zivilisationspolitik zu treiben und müßten hinausgehen zu wilden Völkerschaften, um die Naturvölker als Lehrer und Berater zu bilden. Ja, das müssen wir allerdings, ich stimme dem, was Bebel darüber im Reichstage gesagt hat, vollständig zu. Wir sind selbst daran interessiert, daß diese Naturvölker auf eine höhere Stufe gelangen, aber ich bestreite, daß dazu eine Kolonialpolitik, daß dazu die Eroberung und Festhaltung eines fremden Landes nötig ist. Ja, ich möchte sagen, daß Kolonialpolitik im Grunde einer Zivilisationspolitik schädlich ist. (Sehr richtig!) Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, daß niedrigstehende Völker der Zivilisation, die ihnen höher stehende Völker bringen, feindlich gegenüberstehen. Alle Erfahrung zeigt im Gegenteil, daß da, wo man den Wilden freundlich entgegenkommt, sie die Werkzeuge und Hülfsmittel der höheren Zivilisation gern annehmen. Kommt man aber, um sie zu unterdrücken und zu unterjochen, sollen sie unter die Bevormundung eines, wenn auch wohlwollenden Despotismus gebracht werden, so werden sie mißtrauisch. Dann verwerfen sie mit der fremden Herrschaft auch die fremde Kultur, dann kommt es zu Kämpfen und Verwüstungen. So sehen wir, daß überall, wo Kolonialpolitik besteht, es nicht zur Hebung, sondern zur Depression der Völker kommt. Auch ein sozialistisches Regime könnte daran nichts ändern. Es müßte ebenfalls die Kolonien als Fremdkörper betrachten und müßte dort eine Fremdherrschaft errichten. Wenn wir zivilisatorisch auf Naturvölker wirken wollen, so ist die erste Notwendigkeit, daß wir ihr Vertrauen gewinnen. Und dieses gewinnen wir nur dadurch, daß wir ihnen die Freiheit geben. (Bravo!) Bernstein wollte uns einreden, daß diese Politik der Eroberung eine Naturnotwendigkeit sei. Ich war sehr erstaunt, daß er hier die Theorie verfochten hat von den zwei Gruppen von Völkern, von denen die eine zum Herrschen, die andere zum Beherrschtwerden bestimmt sei, daß es Völker gäbe, die Kinder seien und nicht imstande wären, sich selbst zu verwalten. Das ist nur eine Variation des alten Satzes, der die Grundlage allen Despotismus bildet, daß der eine auf die Welt kommt mit Sporen an den Füßen, der andere mit dem Sattel auf dem Rücken, um die Ersten zu tragen. Das ist noch stets die Argumentation jeder Aristokratie gewesen, das war auch die Argumentation des amerikanischen Sklavenhalters im amerikanischen Süden, der sagte, die Kultur beruhe auf der Zwangsarbeit der Sklaven, und das Land würde in die Barbarei zurückfallen, wenn die Sklaverei beseitigt würde. Diese Argumentation dürfen wir uns nicht aneignen. Bernstein berief sich mit Unrecht auf Marx. Gewiß, Marx hat gesagt, die Erde gehöre der Menschheit. Die Menschheit aber treibt heute keine Kolonialpolitik. (Sehr gut!) Marx hat nicht gesagt, die Erde gehöre den kapitalistischen Nationen. (Sehr gut! Die Redezeit ist abgelaufen.) Ich bitte Sie zum Schluß, den Einleitungssatz, der so neu ist, der so sehr im Widerspruch mit unserem ganzen sozialistischen und demokratischen Denken steht (Sehr richtig!), der noch gar nicht genug überlegt ist, nicht anzunehmen. Sie müssen uns wenigstens Zeit geben, diesen Satz erst einmal gründlich zu diskutieren und ordentlich zu überlegen. Er muß erst reiflich in der Parteipresse, in den wissenschaftlichen Organen und in den Versammlungen diskutiert werden. Vorher können wir uns unmöglich auf den ganz neuen Gedanken einer sozialistischen Kolonialpolitik festlegen. Daher bitte ich Sie, den Antrag der Deutschen abzulehnen und dem Antrage der französischen Delegation Ihre Zustimmung zu geben. (Lebhafter, langanhaltender Beifall.)
Gustave Rouanet
[…] Rouanet-Paris: Ich bedaure, daß die Kürze der Zeit es mir nicht erlaubt, alle Angriffe Kautskys, Ledebours und Brackes gegen die Mehrheitsresolution zurückzuweisen. Aber über einen Punkt möchte ich unsere geehrten Herren Gegner bitten, sich gefälligst aussprechen zu wollen. Sie sagten, daß es eine sozialistische Kolonialpolitik nicht gibt und die Sozialdemokratie nichts weiter tun dürfe, als in Theorie und Praxis dagegen zu protestieren. Aber nachdem Sie die barbarische Methode der kapitalistischen Kolonialpolitik genügend gebrandmarkt haben, verlangen Sie im nächsten Absatz im Interesse der Entfaltung der Produktivkräfte eine friedliche kulturelle Entwickelung. Von wem, sagen Sie bitte, verlangen Sie das? Doch wohl von der bürgerlichen Gesellschaft? Und indem Sie dieses Verlangen stellen, daß die heutige Gesellschaft an Stelle ihrer bisherigen kapitalistischen brutalen eine friedliche Kolonialpolitik treiben soll, was tun Sie damit anders als eine sozialistische Kolonialpolitik zu fordern, nachdem Sie es eben abgewiesen und für unmöglich erklärt haben. Oder wollen Sie die Produktivität dieser Länder, die Bodenschätze der Erde in den Dienst der Höherentwickelung der Gesamtmenschheit stellen, ohne diese Länder zu besetzen? Sie verkünden also in der Minderheitsresolution das Prinzip der Kolonialpolitik, ohne es auszusprechen. […] Ich bitte Sie um Annahme der Mehrheitsresolution und ziehe gleichzeitig den von mir herrührenden, aber angefochtenen Schlußsatz zurück, in dem die Frage eines internationalen kolonialen Rechts behandelt wird, und werde diese Frage später vor die Interparlamentarische Konferenz bringen. (Beifall.)
Damit schließt die Diskussion.
Schlußwort van Kols
Das Schlußwort erhält van Kol: Ich trug mich mit dem Gedanken, auf das Wort zu verzichten. Aber nachdem Kautsky das ganze Gewicht seiner Wissenschaft und internationalen Berühmtheit in die Wagschale geworfen hat, muß ich versuchen, seine Argumente zu entkräften. Wir haben von verschiedenen Seiten gehört, daß an der kolonialen Oekonomie eigentlich nichts zu verbessern sei. Das ist falsch und steht im Widerspruch mit der Geschichte der Kolonialpolitik. Wir haben für unsere holländischen Kolonien durch unsere sozialistische Aktion im Parlament bedeutende Vorteile erzielt. Warum sollten wir unsere Hülfe nur den Arbeitern Europas und nicht auch denen der anderen Erdteile zuteil werden lassen? Uns stehen die gewaltigen Kräfte des Kapitalismus in Europa gegenüber. Warum sollen wir nicht auch den Kampf gegen den außereuropäischen Kapitalismus aufnehmen? Nirgends können wir gegenüber dem Kapitalismus leichtere und größere Eroberungen machen wie dort. Ledebour hat das Bestreben der Majorität reaktionär genannt. Ich verstehe gar nicht, wie er als Mann der Wissenschaft nicht anerkennen kann, daß die kapitalistische Entwickelung in den Kolonien notwendig ist, ehe an den Sozialismus gedacht werden kann. Darum arbeiten wir an der revolutionären Entwickelung der Kolonien, weil wir den Uebergang vom Feudalstaat in den modernen Staat, durch den Kapitalismus zum Sozialismus erleichtern. Der Sprung vom Barbarismus zum Sozialismus ist unmöglich. (Sehr wahr!) Die gegenteilige Anschauung ist nicht nur unwissenschaftlich, sondern sie ist dumm und beschränkt. Warum in Gottes Namen sollen wir nun für diese Entwickelung nicht positive Forderungen aufstellen können, ebenso wie für die des Militarismus oder der Steuergesetzgebung? Die Genossen in Amerika sind noch jung in der sozialistischen Bewegung. Es täte mir bitter leid, wenn sie nicht ihren Fehler einsähen, in die Kolonialpolitik gar nicht eingreifen, sondern sie allein einem Roosevelt überlassen würden. Ich bitte die amerikanischen Genossen dringend im Interesse der verelendeten, wehrlosen Philippiner, in die Kolonialpolitik aktiv einzugreifen. (Bravo!) Wir haben dann heute wieder das alte Gefabel von den Kolonialgreueln gehört, das vor einem Parlament von Sozialisten nun schon langweilig wird. Ich habe Ehrfurcht vor Kautsky als Mann und Kämpfer. Aber ich hätte nicht geglaubt, daß er so unwissenschaftliche Theorien vortragen könnte, wie er sie vorgetragen hat. Er stellt die These auf: „Kolonialpolitik ist Eroberung, ist Imperialismus.“ Das ist eine ganz falsche Formel. Sie sollten doch Ihre Grammatik besser kennen! Die Kolonialpolitik ist jetzt allerdings imperialistisch, sie muß es aber nicht sein, sie kann auch demokratisch sein. Jedenfalls ist es schweres Unrecht von Kautsky, die Kolonialpolitik begrifflich mit dem Imperialismus gleichzusetzen. Ich hoffe, daß er sein Unrecht einsieht und sich bemühen wird, es wieder gut zu machen. Kautsky hat gesagt, daß wir uns das Vertrauen der Eingeborenen erwerben müßten. Wie will er das Vertrauen der Millionen Menschen mit anderer Hautfarbe gewinnen, wenn er nichts für sie tut? (Sehr gut!) Wir in Holland haben die Pflicht und das Recht, unsere Erfahrungen den Genossen anderer Länder mitzuteilen. Wir holländischen Sozialisten haben uns das Vertrauen von Millionen Javanern erworben. Von der deutschen Sozialdemokratie aber weiß man in Afrika überhaupt nichts, weil sie bisher eben ihre Pflicht nicht erfüllt hat. Wenn Ihr Euch das Vertrauen der Eingeborenen erobern wollt, so müßt Ihr aktiv in die Kolonialfrage eingreifen. Noch ärger hat es der gelehrte Kautsky gemacht, als er Ratschläge über die industrielle Entwickelung der Kolonien gab. Wir sollten die Maschinen und Werkzeuge nach Afrika bringen! Büchertheorie! Damit will er das Land zivilisieren! Wenn wir nun eine Maschine zu den Wilden Zentralafrikas bringen, was werden sie damit tun? Vielleicht werden sie einen Rundtanz darum aufführen (Große Heiterkeit) oder auch die große Zahl ihrer Abgötter um einen vermehren. (Heiterkeit.) Vielleicht sollen wir auch noch Europäer hinschicken, die die Maschinen treiben. Was die Eingeborenen mit ihnen machen würden, weiß ich nicht. Aber vielleicht machen Kautsky und ich den Versuch, vielleicht gehen Theorie und Praxis Arm in Arm mit den Werkzeugen und Maschinen in das wilde Land. Vielleicht werden die Eingeborenen unsere Maschinen zerschlagen, vielleicht werden sie uns auch totschlagen oder sogar fressen, und dann (sich über den Bauch streichend) fürchte ich, daß ich vor Kautsky den Vorrang habe. (Heiterkeit.) Wenn wir Europäer mit Werkzeugen und Maschinen dahin kommen, wären wir die wehrlosen Opfer der Eingeborenen. Deshalb müssen wir mit Waffen in der Hand dort hinkommen, auch wenn Kautsky das Imperialismus nennt. (Sehr wahr!) […] Wie sich ein Gelehrter gegenüber sozialen Realitäten über eine Sache hinwegsetzen kann, haben wir heute an Kautsky gesehen, der in der Kolonialfrage vom Utopisten zum Revisionisten und Imperialisten geworden ist. (Beifall.) Die Zeit der Phrasen sollte endlich vorbei sein. Wir müssen praktisch arbeiten für die Masse der Armen und Ausgehungerten in unseren Kolonien. Ich hoffe, daß Sie die Majoritätsresolution mit großer Mehrheit annehmen werden. (Beifall.)
Darauf trat die Mittagspause ein.
Die Abstimmung (22. August, Nachmittag)
[…] Es folgt die Abstimmung über die Resolution zur Kolonialfrage.
Abstimmung über das Amendement der Minorität
Zunächst wird das Amendement der Minorität zur Abstimmung gebracht. Dagegen stimmen Deutschland, Oesterreich, Böhmen, Belgien, Dänemark, 12 Stimmen der französischen Delegation, 14 der englischen, Holland, 4 Stimmen von Italien, Schweden und Südafrika. Dafür stimmen die österreichischen Italiener, die Ruthenen, Australien, Argentinien, Bulgarien, Spanien, Nordamerika, Finnland, 10 Stimmen von Frankreich, 6 von England, Ungarn, 11 Stimmen von Italien, Japan, Polen, Rußland, Rumänien, Serbien und Norwegen. Die Schweiz enthält sich der Stimme. Die Stimme von Luxemburg ist nicht vertreten.
Das Amendement ist also mit 127 gegen 108 Stimmen bei 10 Stimmenthaltungen angenommen.
Das Resultat wird mit stürmischem Beifall begrüßt.
Der Antrag der französischen Delegation auf Streichung des Einleitungsabsatzes in der Resolution der Majorität wird nunmehr zurückgezogen.
Van Kol will diesen Antrag wieder aufnehmen, der Kongreß erklärt das aber mit großer Mehrheit für unzulässig.
Eduard David beantragt getrennte Abstimmung über Einleitung und Schlußsätze der so veränderten Mehrheitsresolution.
Hillquit beantragt en bloc-Abstimmung.
Der Kongreß entscheidet sich für den Antrag Hillquit. Es wird also en bloc abgestimmt, über den Absatz 1 in der Fassung der Minorität und über die dann folgenden Absätze der Majoritätsresolution, die insgesamt nunmehr folgende Fassung erhalten hat:
Die angenommene Resolution
„Der Kongreß ist der Ansicht, daß die kapitalistische Kolonialpolitik ihrem innersten Wesen nach zur Knechtung, Zwangsarbeit oder Ausrottung der eingeborenen Bevölkerung der Kolonialgebiete führen muß. Die zivilisatorische Mission, auf die sich die kapitalistische Gesellschaft beruft, dient ihr nur als Deckmantel für die Eroberungs- und Ausbeutungsgelüste. Erst die sozialistische Gesellschaft wird allen Völkern die Möglichkeit bieten, sich zur vollen Kultur zu entfalten. Die kapitalistische Kolonialpolitik, statt die Kollektivkräfte zu steigern, zerstört durch Versklavung und Verelendung der Eingeborenen wie durch mörderische, verwüstende Kriege den natürlichen Reichtum der Länder, in die sie ihre Methoden verpflanzt. Sie verlangsamt oder verhindert dadurch selbst die Entwickelung des Handels und des Absatzes der Industrieprodukte der zivilisierten Staaten. Der Kongreß verurteilt die barbarischen Methoden kapitalistischer Kolonisation und verlangt im Interesse der Entfaltung der Produktivkräfte eine Politik, die die friedliche kulturelle Entwickelung gewährleistet und die Bodenschätze der Erde in den Dienst der Höherentwickelung der gesamten Menschheit stellt.
Er bestätigt von neuem die Resolutionen von Paris (1900) und Amsterdam (1904) über die Kolonialfrage und verwirft nochmals die jetzige Kolonisationsmethode, die, ihrem Wesen nach kapitalistisch, keinen anderen Zweck hat, als fremde Völker zu erobern und fremde Völker zu unterwerfen, um sie schonungslos zum Nutzen einer verschwindenden Minderheit auszubeuten, während gleichzeitig im eigenen Lande die Lasten der Proletarier steigen.
Als Feind jeder Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und als Verteidiger aller Unterdrückten ohne Unterschied der Rasse, verurteilt der Kongreß diese Politik des Raubes und der Eroberung, die nur die schamlose Anwendung des Rechts des Stärkeren ist und das Recht der besiegten Völker mit Füßen tritt.
Die Kolonialpolitik vermehrt die Gefahr kriegerischer Verwickelung zwischen den kolonisierenden Staaten und steigert ihre Belastung durch Heer und Flotte.
Finanziell betrachtet sollen die Ausgaben für die Kolonien, ebenso solche, die der Imperialismus verschuldet, als auch solche, die im Interesse der ökonomischen Entwickelung der Kolonien gemacht werden, von denen getragen werden, die allein von der Ausplünderung fremder Länder Nutzen ziehen und deren Reichtümer aus ihnen stammen.
Der Kongreß erklärt schließlich, daß die sozialistischen Abgeordneten die Pflicht haben, in allen Parlamenten unversöhnlich diese Methode der schonungslosen Ausbeutung und Knechtschaft zu bekämpfen, die in allen bestehenden Kolonien herrscht.
Zu diesem Zwecke haben sie für Reformen einzutreten, um das Los der Eingeborenen zu verbessern, haben sie jede Verletzung der Rechte der Eingeborenen, ihre Ausbeutung und ihre Versklavung zu verhindern, und haben sie mit allen zu Gebote stehenden Mitteln an ihrer Erziehung zur Unabhängigkeit zu arbeiten.“
Mit Ja stimmen: Deutschland, Oesterreich, Böhmen, Australien, Argentinien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Spanien, Nordamerika, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Polen, Rußland, Serbien, Schweden, Schweiz, Norwegen und Südafrika. Der Stimme enthält sich Holland.
In der deutschen Delegation entsteht Unruhe, weil David für sie zuerst ein Neinvotum abgibt. Dagegen erhebt sich lebhafter Protest, und Singer läßt in der deutschen Delegation abstimmen. Diese entscheidet sich mit großer Mehrheit für „Ja“.
Die Resolution ist also mit allen Stimmen, mit Ausnahme der holländischen Stimmenthaltung, angenommen. (Lebhafter Beifall.)
Aus den Verhandlungen der Kommission
Erste Sitzung. Montag, den 19. August. Deutsche Delegierte sind: Bock, Dr. David, Ledebour und Wurm. Die Kommission wählte van Kol zum Vorsitzenden und Terwagne-Antwerpen zum Schriftführer. […]
In der Generaldebatte weist Dr. David-Mainz darauf hin, daß schon frühere Kongresse sich mit der Kolonialfrage beschäftigt und Resolutionen gefaßt hätten. Es genüge aber nicht, diese Resolutionen zu wiederholen, sondern es komme darauf an, praktische Direktiven zu geben und zu erklären, daß die Sozialdemokratie die Art, wie die bürgerliche Welt heute kolonisiere, verurteile, daß sie aber ihren ganzen Einfluß aufbieten müsse, um sowohl die koloniale Bevölkerung wie die kolonialen Naturschätze gegen kapitalistische Ausbeutung zu schützen. Das sei dasselbe, was die Sozialdemokratie in Kulturländern dem Kapitalismus gegenüber durch Schaffung der Arbeiterschutzgesetze tue. […]
Ledebour: Ich muß mich leider gegen David und in gewissem Sinne auch gegen Bebel wenden. Genosse David hat die Hauptsache außer acht gelassen. Solange wir eine kapitalistische Gesellschaft haben, wird die Kolonialpolitik stets die scheußlichen Formen zeigen, die wir alle verurteilen. David scheint diese Scheußlichkeiten für vermeidbar und für Begleiterscheinungen der heutigen Kolonisation zu halten. Das ist ein grundsätzlicher Irrtum. […] Die jetzige Kolonialpolitik ist aber das unvermeidbare Resultat des Kapitalismus, und nur durch die Widerstandskraft der Ausgebeuteten selbst können diese Brutalitäten gemildert werden. In den Kolonien können sie dies nicht, da die Kolonialbevölkerung so gut wie gar keine Widerstandskraft besitzt. In einer Resolution müssen wir an die Spitze stellen, daß wir von der kapitalistischen Kolonialpolitik keine Berücksichtigung der kulturellen Mission erwarten. Da wir grundsätzliche Gegner jeder Ausbeutung und Unterdrückung im eigenen Lande sind, müssen wir die noch viel schlimmere Ausbeutung in den Kolonien grundsätzlich bekämpfen. Wenn wir diese grundsätzliche Erklärung an die Spitze gestellt haben, können wir dann hinzufügen, daß wir als Minorität für möglichsten Schutz der Eingeborenen durch Schaffung eines Kolonialrechts eintreten wollen. Darüber sind wir wohl alle einig. Die Hauptsache ist, daß niemand durch unsere Resolution auf die Idee kommen kann, wir hielten eine andere als eine mit Grausamkeiten und Scheußlichkeiten verbundene Kolonialpolitik mit dem Kapitalismus vereinbar.
[…] Von David wird folgende Einleitung für die Resolution vorgeschlagen:
„In der Erwägung, daß der Sozialismus die Produktivkräfte des ganzen Erdkreises in den Dienst der Menschheit stellen und die Völker aller Farben und Zungen zur höchsten Kultur emporführen will, sieht der Kongreß in der kolonialen Idee als solcher einen integrierenden Bestandteil des universalen Kulturziels der sozialistischen Bewegung. Die jetzige kapitalistisch-koloniale Methode aber hat keinen anderen Zweck, als fremde Völker auszubeuten usw. …“
[…] Schließlich wird unter Ablehnung der von David vorgeschlagenen die Resolution van Kol in der ursprünglichen Fassung angenommen:
„Der Kongreß stellt fest, daß der Nutzen der Kolonialpolitik allgemein, besonders aber für die Arbeiterklasse stark übertrieben wird. Er verwirft aber nicht prinzipiell und für alle Zeiten jede Kolonialpolitik, die unter sozialistischem Regime zivilisierend wird wirken können.“
Außerdem wird ein Zusatzantrag Wurm, der die Erhöhung der Kriegsgefahr und die Belastung der Ausgaben für Heer und Flotte betont, und ein Zusatzantrag Rouanet angenommen, der Vereinbarungen über ein Kolonialrecht fordert. Ledebour kündigt für die Minderheit die Stellung eines Korreferenten für das Plenum an.