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Dokumente der Zimmerwalder Konferenz (1915)

인물블라디미르 레닌, 카를 라데크, 레프 트로츠키, 로베르트 그림, 파벨 악셀로드, 크리스티안 라콥스키, 바실 콜라로프, 야코프 가네츠키, 안젤리카 발라바노바, 장 조레스, 카를 리프크네히트, 로자 룩셈부르크, 클라라 체트킨, 카를 카우츠키, 게오르기 플레하노프 용어치머발트 운동, 제국주의 전쟁, 제2인터내셔널, 독일 사회민주당 (SPD) 사건제2인터내셔널의 붕괴 학습사회주의의 분기 · 13장 전쟁에 반대하는 사회주의자는 평화를 외치는 것으로 충분할까?

Das Zimmerwalder Manifest: Proletarier Europas!

Proletarier Europas!

Mehr als ein Jahr dauert der Krieg. Millionen von Leichen bedecken die Schlachtfelder, Millionen von Menschen wurden für ihr ganzes Leben zu Krüppeln gemacht. Europa gleicht einem gigantischen Menschenschlachthaus. Die ganze, durch die Arbeit vieler Generationen geschaffene Kultur ist der Verwüstung geweiht. Die wildeste Barbarei feiert heute ihren Triumph über alles, was bis jetzt den Stolz der Menschheit ausmachte.

Welches auch immer die Wahrheit über die unmittelbare Verantwortung für den Ausbruch dieses Krieges sei – das eine steht fest: Der Krieg, der dieses Chaos erzeugte, ist die Folge des Imperialismus, des Strebens der kapitalistischen Klassen jeder Nation, ihre Profitgier durch die Ausbeutung der menschlichen Arbeit und der Naturschätze des ganzen Erdballs zu nähren.

Wirtschaftlich rückständige oder politisch schwache Nationen fallen dabei der Unterjochung durch die Großmächte anheim, die in diesem Kriege versuchen, die Weltkarte ihrem Ausbeutungsinteresse entsprechend mit Blut und Eisen neu zu gestalten. So droht ganzen Völkern und Ländern, wie Belgien, Polen, den Balkanstaaten, Armenien, das Geschick, als Beutestücke im Spiel der Kompensationen, ganz oder in Teile zerrissen, annektiert zu werden.

Die treibenden Kräfte des Krieges treten in seinem Verlauf in ihrer ganzen Niedertracht hervor. Fetzen um Fetzen jenes Schleiers fällt, mit dem der Sinn dieser Weltkatastrophe vor dem Bewusstsein der Völker verhüllt wurde. Die Kapitalisten aller Länder, die aus dem vergossenen Blut des Volkes das rote Gold der Kriegsprofite münzen, behaupten, der Krieg diene der Verteidigung des Vaterlandes, der Demokratie, der Befreiung unterdrückter Völker. Sie lügen. In Tat und Wahrheit begraben sie auf den Stätten der Verwüstung die Freiheit des eigenen Volkes mitsamt der Unabhängigkeit anderer Nationen. Neue Fesseln, neue Ketten, neue Lasten entstehen, und das Proletariat aller Länder, der siegreichen wie der besiegten, wird sie zu tragen haben. Hebung des Wohlstandes ward beim Ausbruch des Krieges verkündet – Not und Entbehrung, Arbeitslosigkeit und Teuerung, Unterernährung und Volksseuchen sind das wirkliche Ergebnis. Auf Jahrzehnte hinaus werden die Kriegskosten die besten Kräfte der Völker verzehren, die Errungenschaften der sozialen Reformen gefährden und jeden Schritt nach vorwärts verhindern.

Kulturelle Verödung, wirtschaftlicher Niedergang, politische Reaktion – das sind die Segnungen dieses gräuelvollen Völkerringens.

So enthüllt der Krieg die nackte Gestalt des modernen Kapitalismus, der nicht nur mit den Interessen der Arbeitermassen, nicht nur mit den Bedürfnissen der geschichtlichen Entwicklung, sondern mit den elementaren Bedingungen der menschlichen Gemeinschaft unvereinbar geworden ist.

Die herrschenden Gewalten der kapitalistischen Gesellschaft, in deren Händen das Geschick der Völker ruhte, die monarchischen wie die republikanischen Regierungen, die Geheimdiplomatie, die mächtigen Unternehmerorganisationen, die bürgerlichen Parteien, die kapitalistische Presse, die Kirche – sie alle tragen das volle Gewicht der Verantwortung für diesen Krieg, welcher aus der sie nährenden und von ihnen geschützten Gesellschaftsordnung entstanden ist und für ihre Interessen geführt wird.

Arbeiter! Ausgebeutet, entrechtet, missachtet nannte man euch beim Ausbruch des Krieges, als es galt, euch auf die Schlachtbank, dem Tode entgegenzuführen, Brüder und Kameraden. Und jetzt, da euch der Militarismus verkrüppelt, zerfleischt, erniedrigt und vernichtet, fordern die Herrschenden von euch die Preisgabe eurer Interessen, eurer Ziele, eurer Ideale, mit einem Wort: die sklavische Unterordnung unter den Burgfrieden. Man beraubt euch der Möglichkeit, eure Ansichten, eure Gefühle, euren Schmerz zu äußern, man verwehrt es euch, eure Forderungen zu erheben und sie zu vertreten. Die Presse geknebelt, die politischen Rechte und Freiheiten mit Füßen getreten – so herrscht heute Militärdiktatur mit eiserner Faust.

Diesem Zustand, der die gesamte Zukunft Europas und der Menschheit bedroht, können und dürfen wir nicht weiter tatenlos gegenüberstehen. Jahrzehntelang hat das sozialistische Proletariat den Kampf gegen den Militarismus geführt. Mit wachsender Besorgnis beschäftigten sich seine Vertreter auf ihren nationalen und internationalen Tagungen mit der aus dem Imperialismus immer bedrohlicher hervorgehenden Kriegsgefahr. Zu Stuttgart [1907], zu Kopenhagen [1910], zu Basel [1912] haben die internationalen sozialistischen Kongresse den Weg gezeichnet, den das Proletariat zu betreten hat.

Sozialistische Parteien und Arbeiterorganisationen verschiedener Länder, die diesen Weg mitbestimmten, haben die daraus fließenden Verpflichtungen seit Beginn des Krieges missachtet. Ihre Vertreter haben die Arbeiterschaft zur Einstellung des Klassenkampfes, des einzig möglichen und wirksamen Mittels der proletarischen Emanzipation, aufgefordert. Sie haben den herrschenden Klassen die Kredite zur Kriegsführung bewilligt, sie haben sich den Regierungen zu den verschiedensten Diensten zur Verfügung gestellt, sie haben durch ihre Presse und ihre Sendboten die Neutralen für die Regierungspolitik ihrer Länder zu gewinnen versucht, sie haben den Regierungen sozialistische Minister als Geiseln zur Wahrung des Burgfriedens ausgeliefert, und damit haben sie vor der Arbeiterklasse, vor ihrer Gegenwart und ihrer Zukunft die Verantwortung für diesen Krieg, für seine Ziele und Methoden übernommen. Und wie die einzelnen Parteien, so versagte die berufenste Vertretung der Sozialisten aller Länder: das internationale sozialistische Büro.

Diese Tatsachen haben es mitverschuldet, dass die internationale Arbeiterklasse, die der nationalen Panik der ersten Kriegsperiode nicht anheimfiel oder sich davon befreite, noch bis jetzt, im zweiten Jahre des Völkermordens, keine Mittel und Wege fand, um den tatkräftigen Kampf für den Frieden gleichzeitig in allen Ländern aufzunehmen.

In dieser unerträglichen Lage haben wir, die Vertreter der sozialistischen Parteien, Gewerkschaften und ihrer Minderheiten, wir Deutsche, Franzosen, Italiener, Russen, Polen, Letten, Rumänen, Bulgaren, Schweden, Norweger, Holländer und Schweizer, wir, die nicht auf dem Boden der nationalen Solidarität mit der Ausbeuterklasse, sondern auf dem Boden der internationalen Solidarität des Proletariats und des Klassenkampfes stehen, uns zusammengefunden, um die zerrissenen Fäden der internationalen Beziehungen neu zu knüpfen und die Arbeiterklasse zur Selbstbesinnung und zum Kampfe für den Frieden aufzurufen.

Dieser Kampf ist der Kampf für die Freiheit, für die Völkerverbrüderung, für den Sozialismus. Es gilt, dieses Ringen um den Frieden aufzunehmen, für einen Frieden ohne Annexionen und Kriegsentschädigungen. Ein solcher Friede aber ist nur möglich unter Verurteilung jedes Gedankens an eine Vergewaltigung der Rechte und Freiheiten der Völker. Weder die Besetzung von ganzen Ländern noch von einzelnen Landesteilen darf zu ihrer gewaltsamen Einverleibung führen. Keine Annexion, weder eine offene, noch eine maskierte, auch keine zwangsweise wirtschaftliche Angliederung, die durch politische Entrechtung nur noch unerträglicher gemacht wird. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker muss unerschütterlicher Grundsatz in der Ordnung der nationalen Verhältnisse sein.

Proletarier! Seit Ausbruch des Krieges habt ihr eure Tatkraft, euren Mut, eure Ausdauer in den Dienst der herrschenden Klassen gestellt. Nun gilt es, für die eigene Sache, für die heiligen Ziele des Sozialismus, für die Erlösung der unterdrückten Völker wie der geknechteten Klassen einzutreten durch den unversöhnlichen proletarischen Klassenkampf.

Aufgabe und Pflicht der Sozialisten der kriegführenden Länder ist es, diesen Kampf mit voller Wucht aufzunehmen, Aufgabe und Pflicht der Sozialisten der neutralen Staaten, ihre Brüder in diesem Ringen gegen die blutige Barbarei mit allen wirksamen Mitteln zu unterstützen.

Niemals in der Weltgeschichte gab es eine dringendere, eine höhere, eine erhabenere Aufgabe, deren Erfüllung unser gemeinsames Werk sein soll. Kein Opfer zu groß, keine Last zu schwer, um dieses Ziel: den Frieden unter den Völkern zu erreichen.

Arbeiter und Arbeiterinnen! Mütter und Väter! Witwen und Waisen! Verwundete und Verkrüppelte! Euch allen, die ihr vom Kriege und durch den Krieg leidet, rufen wir zu: Über die Grenzen, über die dampfenden Schlachtfelder, über die zerstörten Städte und Dörfer hinweg,

Proletarier aller Länder vereinigt euch!

Zimmerwald (Schweiz), im September 1915.

Im Namen der internationalen sozialistischen Konferenz:

  • Für die deutsche Delegation: Georg Ledebour, Adolf Hoffmann
  • für die französische Delegation: A. Bourderon, A. Merrheim
  • für die italienische Delegation: G.E. Modigliani, Constantino Lazzari
  • für die russische Delegation: N. Lenin, Paul Axelrod, M. Bobrow
  • für die polnische Delegation: St. Lapinski, A. Warski, Cz. Hanecki
  • für die interbalkanische sozialistische Föderation: im Namen der rumänischen Delegation: C. Rakowski, im Namen der bulgarischen Delegation: Wassil Kolarow
  • für die schwedische und norwegische Delegation: Z. Höglund, Ture Nerman
  • für die holländische Delegation: H. Roland-Holst
  • für die schweizerische Delegation: Robert Grimm, Charles Naine

Sympathieerklärung

„Die internationale sozialistische Konferenz zu Zimmerwald entbietet den Ausdruck tiefsten Mitgefühls den zahllosen Opfern des Krieges, dem polnischen und dem belgischen Volke, den verfolgten jüdischen und armenischen Völkern, den Millionen menschlicher Wesen, die sich in unermesslichen Leiden quälen und unerhörte Gräuel über sich ergehen lassen mussten.

Die Konferenz ehrt die Erinnerung an den großen Sozialisten Jean Jaurès, dem ersten Opfer dieses Krieges, gefallen als ein Märtyrer und Kämpfer im Ringen gegen den Chauvinismus und für den Frieden, sie ehrt das Andenken an die sozialistischen Kämpfer Tutzowicz und Catanesi, die ihr junges Leben auf den blutigen Schlachtfeldern aushauchen mussten.

Die Konferenz entsendet den Ausdruck ihres tiefen und brüderlichen Mitgefühls den in Sibirien verbannten Dumaabgeordneten, die die glorreiche revolutionäre Vergangenheit Russlands fortsetzen, den vom Militarismus gefesselten Genossen Liebknecht und Monatte, die beide in ihren Ländern den Kampf gegen die Burgfriedenspolitik der Arbeiterschaft aufnahmen, den Genossinnen Luxemburg und Klara Zetkin, die ihrer sozialistischen Überzeugung wegen eingekerkert wurden und allen Genossen und Genossinnen, die deshalb verfolgt oder verhaftet wurden, weil sie den Kampf gegen den Krieg führten.

Die Konferenz verpflichtet sich feierlich, die Lebenden und Toten zu ehren, indem sie das Beispiel dieser tapferen Kämpfer nachahmt und ohne Rast die Aufgabe verfolgt, den revolutionären Geist in den Massen des internationalen Proletariats zu wecken und sie zu einigen in dem Kampf gegen den brudermordenden Krieg und gegen die kapitalistische Gesellschaft."

Aus dem offiziellen Verhandlungsbericht: 4. Das Manifest

Von der Vertretung des polnischen Landesvorstandes, des russischen Zentralkomitees, der Letten, der Schweden und Norweger lag ein Resolutionsentwurf vor, der die prinzipielle Stellungnahme der Konferenz festlegen sollte. In der Begründung dieser Resolution wurde ausgeführt, dass ohne die grundsätzliche Stellungnahme zum Weltkrieg und zum Zusammenbruch der Internationalen ein Friedensaufruf schwerlich möglich sein würde. Man müsse sich über die Voraussetzungen und über die Ziele der Friedensaktion im Klaren sein. Dieser Klarheit bedürfe in erster Linie die Arbeiterklasse. Erst nach der Befreiung vom Banne der bürgerlichen Durchhaltepolitik sei der Kampf für den Frieden überhaupt möglich. Dieser Kampf müsse in seinem Inhalt wie in seinen Mitteln ein revolutionärer sein. Eine Friedensaktion könne sich nicht bloß auf das Friedensziel beschränken. Bei der Höhe der sozialen Gegensätze werde die Friedensaktion in den Kampf um den Sozialismus umschlagen. Diesen Inhalt der Friedensaktion durch die Agitationsweise zu bestimmen, sei die zweite Aufgabe der Sozialdemokratie. Innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft seien die Gefahren des Imperialismus nicht zu bannen, deshalb müsse der Kampf für den Frieden zugleich der revolutionäre Kampf gegen den Kapitalismus sein.

Dieser Auffassung wurde von mehreren Teilnehmern entgegengehalten, dass eine prinzipielle Erörterung und die Festlegung eines allgemeinen Programms über das Ziel hinausginge, das der Konferenz von ihren Organisatoren gesetzt wurde und auf Grund dessen die Beteiligung aus den verschiedenen Ländern erfolgte. So wichtig eine Neuorientierung der internationalen sozialistischen Politik sei, könne dies doch nicht Aufgabe dieser Konferenz sein. In keiner Weise dürfe der Anschein erweckt werden, als wolle diese Konferenz eine Spaltung herbeiführen und eine neue Internationale gründen. Das würde indes durch die Annahme der vorgelegten Resolution geschehen, die zudem Kampfmittel vorschlage, die aus der heutigen Diskussion ausscheiden müssten. Die Konferenz dürfe nicht das Werkzeug irgendeiner Richtung werden, sondern müsse versuchen, eine internationale Friedensaktion des Proletariats einzuleiten, bei der alle Elemente mitwirken können, die auf dem Boden der sozialistischen Weltanschauung stehend, gegen den Burgfrieden kämpfen und, unbekümmert um die gegebene militärische Situation in den einzelnen Ländern, für die rasche Beendigung des Krieges eintreten wollen. Nicht das Trennende, sondern das auf diesem Boden Einigende sei zu betonen. Dazu brauche man einstweilen keine Resolution. Notwendig sei der Erlass einer Kundgebung an das europäische Proletariat, ein Kampfruf, der die Tatsachen kennzeichnet, ausspricht, was ist, und die Arbeiterklasse zum entschlossenen Handeln, zur Wiederaufnahme des Klassenkampfes auffordert. In diesem Sinne liege ja bereits ein Entwurf von derselben Seite vor, die den Resolutionsentwurf vorbereitete.

Die Konferenz entschied sich hierauf stillschweigend für den Erlass eines Manifestes. Im Verlauf der Diskussion wurden noch zwei weitere Entwürfe für eine Kundgebung eingebracht. Alle drei Vorlagen gingen an eine Kommission, die dann der Konferenz einen einheitlichen Entwurf vorlegte, der unter Vornahme unwesentlicher Änderungen einstimmig und mit Begeisterung Annahme fand. Auch die Urheber des Resolutionsentwurfes stimmten geschlossen für den Kommissionsentwurf und erklärten, dass sie zwar gewisse Tatsachen schärfer betont und die Kampfmittel deutlicher hätten umschrieben wissen wollen, da es sich aber um einen Kampfruf handle, würden sie Schulter an Schulter mit den übrigen Teilen der Internationale kämpfen und darum zur Einigkeit und Einheit der Aktion beitragen.

Vorschlag der Resolution über: Weltkrieg und die Aufgaben der Sozialdemokratie

Der Weltkrieg, der seit einem Jahre Europa verwüstet, ist ein imperialistischer Krieg, der um die politische und ökonomische Ausbeutung der Welt, um Absatzmärkte, Rohstoffquellen, Kapitalanlagegebiete usw. geführt wird. Er ist ein Produkt der kapitalistischen Entwicklung, die gleichzeitig die ganze Welt zur Weltwirtschaft verknüpft und selbständige, nationalstaatliche Kapitalistengruppen mit gegensätzlichen Interessen bestehen lässt.

Wenn die Bourgeoisie und die Regierungen diesen Charakter des Weltkrieges zu verhüllen suchen, indem sie behaupten, es handle sich um einen aufgedrungenen Kampf, um die nationale Unabhängigkeit, so ist das eine Irreführung des Proletariats, da der Krieg eben um die Unterdrückung fremder Völker und Länder geführt wird. Ebenso lügnerisch sind die Legenden über die Verteidigung der Demokratie in diesem Kriege, da der Imperialismus die rücksichtloseste Herrschaft des Großkapitals und die politische Reaktion bedeutet.

Die Überwindung des Imperialismus ist nur durch die Auflösung der Gegensätze möglich, die ihn erzeugt haben, das heißt durch die sozialistische Organisation der kapitalistischen Kulturkreise, wozu die objektiven Verhältnisse schon reif sind.

Beim Ausbruch des Krieges hatte die Mehrheit der Arbeiterführer diese einzig mögliche Losung dem Imperialismus nicht gegenübergestellt. Vom Nationalismus befangen, vom Opportunismus zerfressen, hat sie im Moment des Weltkrieges das Proletariat dem Imperialismus ausgeliefert, die Grundsätze des Sozialismus und damit den wirklichen Kampf um die Interessen des Proletariats preisgegeben.

Der Sozialpatriotismus und Sozialimperialismus, auf deren Standpunkt in Deutschland sowohl die offen patriotische Mehrheit der früheren sozialdemokratischen Führer, wie auch das sich oppositionell gebärdende Zentrum der Partei um Kautsky, stehen, zu dem in Frankreich und Österreich die Mehrheit, in England und Russland ein Teil der Führer (Hyndmann, die Fabier, die Trade-Unionisten, Plechanow, Rubanowitsch, die Gruppe Nasche Djelo) sich bekennen, ist für das Proletariat ein gefährlicherer Feind als die bürgerlichen Apostel des Imperialismus, da er, die Flagge des Sozialismus missbrauchend, die unaufgeklärte Arbeiterschaft irreführen kann. Der rücksichtslose Kampf gegen den Sozialimperialismus bildet die erste Vorbedingung zur revolutionären Mobilisation des Proletariats und der Wiederaufrichtung der Internationale.

Es ist die Aufgabe der sozialistischen Parteien wie der sozialistischen Oppositionen in den nunmehr sozialimperialistischen Parteien, die Arbeitermassen zum revolutionären Kampfe gegen die kapitalistischen Regierungen um die Eroberung der politischen Macht, zwecks sozialistischer Organisation der Gesellschaft, zu rufen und zu führen.

Ohne den Kampf um jeden Fuß Boden im Rahmen des Kapitalismus, um jede das Proletariat stärkende Reform aufzugeben, ohne auf irgendwelche Mittel der Organisation und Aufrüttelung zu verzichten, haben umgekehrt die revolutionären Sozialdemokraten alle die Kämpfe, alle von unserm Minimalprogramm geforderten Reformen auszunützen, um diese Kriegskrise, wie jede soziale und politische Krise des Kapitalismus zu verschärfen, zu einer Attacke auf seine Grundlagen zu erweitern. Indem dieser Kampf unter der Losung des Sozialismus geführt wird, wird er die Arbeitermassen unzugänglich machen für die Losungen der Unterdrückung eines Volkes durch das andere, wie sie in der Aufrechterhaltung der Herrschaft einer Nation über die andere, in dem Schrei nach neuen Annexionen zum Ausdruck kommen, wird er sie taub machen für die Lockungen der nationalen Solidarität, die die Proletarier auf die Schlachtfelder geführt hat.

Den Auftakt zu diesem Kampf bildet der Kampf gegen den Weltkrieg, für die schleunige Beendigung des Völkergemetzels. Dieser Kampf erfordert die Ablehnung der Kriegskredite, den Austritt aus den Ministerien, die Denunzierung des kapitalistisch-antisozialistischen Charakters des Krieges von den Tribünen der Parlamente, in den Spalten der legalen und, wo nötig, illegalen Presse, die schroffste Bekämpfung des Sozialpatriotismus und die Ausnützung jeder durch die Kriegsfolgen (Not, große Verluste usw.) verursachten Bewegungen des Volkes zur Organisation von Straßendemonstrationen gegen die Regierungen, die Propaganda der internationalen Solidarität in den Schützengräben, die Förderung der ökonomischen Streiks, das Bestreben, sie bei günstigen Bedingungen in politische zu verwandeln. „Burgkrieg, nicht Burgfriede ist die Losung!“*

Gegenüber allen Illusionen, dass es möglich wäre, durch irgendwelche Beschlüsse der Diplomatie und der Regierungen die Grundlagen eines dauernden Friedens, den Beginn der Abrüstung herbeizuführen, haben die revolutionären Sozialdemokraten den Volksmassen immer wieder zu sagen, dass nur die soziale Revolution den dauernden Frieden wie die Befreiung der Menschheit verwirklichen kann.

Vorschlag des Manifestes

Der Krieg dauert schon über ein Jahr. Millionen Leichen bedecken die Schlachtfelder, Millionen Krüppel bleiben ihr Leben lang eine Last für sich und die Gesellschaft. Ungeheuer ist die Verwüstung, die der Krieg verursachte, die Steuerlast, die er hinterlassen wird.

Die Kapitalisten aller Länder, die aus dem vergossenen Blut des Proletariats das rote Gold der ungeheuren Kriegsprofite schlagen, fordern die Volksmassen zum Ausharren auf. Sie sagen, der Krieg diene der Verteidigung des Vaterlandes, der Demokratie aller Länder. Sie lügen! Die Kapitalisten keines Landes sind in den Krieg getreten, weil ihr Land in seiner Unabhängigkeit bedroht war, weil sie irgendein Volk befreien wollten. Sie haben die Massen auf die Schlachtbank geführt, weil sie die Völker der Ausbeutung und Unterdrückung unterwerfen wollen. Sie konnten sich darüber nicht einigen, wie sie die noch unabhängigen Völker Asiens und Afrikas unter sich aufteilen, sie beargwöhnten sich gegenseitig, dass jedes dem andern die schon gemachte Beute entreißen könnte.

Nicht wegen der eigenen Freiheit, nicht wegen der Befreiung anderer Völker bluten die Volksmassen in allen Teilen des großen Schlachthauses, das sich Europa nennt. Neue Lasten, neue Ketten wird dieser Krieg dem Proletariat Europas und den Völkern Asiens und Afrikas bringen.

Darum gilt es, in diesem völkermordenden Kriege nicht auszuharren, sondern umgekehrt alle Kräfte zu sammeln, um ihm ein Ende zu bereiten. Die Stunde dazu hat schon geschlagen. Den ersten Schritt in eurem Kampfe muss die Forderung bilden, dass die sozialistischen Abgeordneten, die ihr zur Bekämpfung des Kapitalismus, des Militarismus, der Volksausbeutung in die Parlamente gesandt habt, ihre Pflicht erfüllen. Dass sie, mit Ausnahme der russischen, serbischen, italienischen sozialistischen Deputierten und der Abgeordneten Liebknecht und Rühle bisher diese Pflicht mit den Füßen getreten haben, der Bourgeoisie in ihrem Raubkriege halfen oder schwankend sich der Verantwortung entzogen haben, entweder ihre Mandate niederlegen oder die parlamentarische Tribüne ausnützen, um das Volk über den Charakter des Krieges aufzuklären, außerhalb des Parlaments der Arbeiterklasse helfen, den Kampf aufzunehmen: die Ablehnung aller Kriegskredite, der Austritt aus den Ministerien in Frankreich, Belgien und England, das ist die erste Forderung.

Aber das genügt nicht. Die Abgeordneten können euch nicht retten vor dem reißenden Tier, dem Weltkrieg, der euer Blut trinkt. Ihr müsst selbst auf den Plan treten. Ihr müsst alle eure Organisationen und Blätter zum Aufrütteln der breitesten, unter den Lasten des Krieges seufzenden Volksmassen ausnützen, um sie zur Auflehnung gegen den Krieg zu bringen. Ihr müsst auf die Straßen gehen, den Herrschenden euren Ruf: genug der Metzelei! in die Ohren gellen. Wenn sich die Herrschenden taub stellen, dann werden ihn die unaufgeklärten, aber unzufriedenen Volksmassen hören, in eure Reihen eilen, um am Kampfe teilzunehmen.

Es gilt, den sofortigen Abbruch des Krieges mit Ungestüm zu fordern, es gilt die Stimme zu erheben gegen die Unterdrückung eines Volkes durch das andere, gegen das Zerschlagen von Nationen in Teile, wie sie jede kapitalistische Regierung vornehmen wird, wenn sie siegt und den Frieden den andern diktieren können wird. Denn lassen wir den Kapitalisten freie Hand beim Friedensschluss, wie sie den Krieg ohne die Volksmassen zu befragen beschlossen hatten, dann werden die neuen Eroberungen nicht nur die Polizeifaust, die Reaktion selbst im siegreichen Lande stärken, sondern die Samen neuer, noch schrecklicherer Kriege ausstreuen.

Die Niederwerfung der kapitalistischen Regierung, das muss das Ziel sein, das sich die Arbeiterklasse in allen kriegführenden Ländern stecken muss, denn nur dann wird der Unterdrückung eines Volkes durch das andere, den Kriegen ein Ende bereitet, wenn die Macht dem Kapital entrissen wird, über Leben und Tod der Völker zu beschließen. Nur die von Not und Elend, von der Herrschaft des Kapitals befreiten Völker werden imstande sein, ohne Krieg, freundschaftlich, im Wege der Verständigung, ihre gegenseitigen Verhältnisse zu gestalten.

Groß ist das Ziel, das wir euch zeigen, groß werden die Anstrengungen, die ihr machen, groß werden die Opfer sein, die ihr bringen müsst, bevor es erreicht wird. Lang ist der Weg, der euch von dem Siege trennt. Die friedlichen Druckmittel werden nicht reichen, um den Feind auf die Knie zu zwingen. Aber nur, wenn ihr entschlossen seid, einen Teil der unermesslichen Opfer, die ihr für das Kapital auf den Schlachtfeldern bringt, für die eigene Befreiung im Kampfe gegen das Kapital zu bringen, werdet ihr imstande sein, dem Krieg ein Ende zu bereiten, wirkliche Grundlagen für den dauernden Frieden zu legen, der euch Sklaven des Kapitals in freie Menschen verwandelt. Lasst ihr euch durch die lügnerischen Phrasen der Bourgeoisie und der sie unterstützenden sozialistischen Parteien von energischem Kampfe zurückhalten, begnügt ihr euch mit Friedensseufzern, ohne gewillt zu sein, auf Biegen und Brechen zu gehen, eure Leiber und Seelen für die Sache einzusetzen, nun, dann wird das Kapital euer Blut und Gut solange vergeuden, wie es ihm gefällt. In allen Ländern wächst mit jedem Tag die Zahl jener Arbeiter, die so denken wie wir. In ihrem Auftrag haben wir uns, Vertreter verschiedener Länder, versammelt, um an euch diesen Ruf zum Kampfe zu richten. Wir wollen ihn führen, gemeinsam sich unterstützen, denn uns trennen keine Gegensätze. Es gilt, dass die revolutionären Arbeiter eines jeden Landes es als ihr Ehrenrecht und ihre Pflicht betrachten, den andern in diesem Kampfe ein Vorbild zu sein, ein Vorbild der Energie, Opferfreudigkeit. Nicht ängstliches Warten auf das, was die andern tun, sondern das Mitreißen durch Beispiel, das ist der Weg, auf dem eine mächtige Internationale entstehen wird, die dem Kriege und Kapitalismus ein Ende bereitet.

Die beiden Entwürfe wurden unterzeichnet von den Delegationen des Zentralkomitees der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands, Landesvorstandes der Sozialdemokratie Russisch-Polens und Litauens, Zentralkomitees der Sozialdemokratie Lettlands, Schwedischen und norwegischen sozialdemokratischen Ungdomsforbund, von einem Vertreter der revolutionären Sozialdemokraten Deutschlands und einem Schweizer Delegierten.**

Anmerkungen

  1. * Diese Worte sind dem Briefe eines hervorragenden Führers der deutschen Opposition an die Zimmerwalder Konferenz entnommen. ↩
  2. ** Wie wir eben erfahren, stellt sich die unlängst gegründete Gruppe der „Internationalen Sozialisten Deutschlands" (I. S. D.) auf den Boden der Zimmerwalder Linken. ↩